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Des Teufels General

Im »Spätjahr 1941, kurz vor dem Eintritt Amerikas in den Krieg«, treffen sich in »Ottos Restaurant«, einem exklusiven Berliner Nachtlokal der Nazi-Prominenz, die scheinbar exemplarisch, im Grunde aber klischiert gezeichneten Gestalten der Zeit auf einer ausgelassenen Party des Generals Harras: der doktrinär linientreue »Kulturleiter« Dr. Schmidt-Lausitz, der naiv gläubige Nationalsozialist Oberst Eilers, dessen »fünfzigster Luftsieg« gefeiert wird, der opportunistische aristokratische Waffenlieferant von Morungen, dessen Tochter, das kesse BDM-Mädchen »Pützchen«, die gefeierte Operettendiva Olivia Geiß, die heimlich ihren jüdischen Freunden zur Flucht ins Ausland verhilft, mehr oder weniger plastisch gezeichnete tapfere Offiziere wie etwa Pfundtmayer, »Typus bayerischer Kraftlackel« - schließlich der verehrte und gefürchtete, geliebte und gehaßte Hauptheld General Harras, stilisiertes Nachbild des Fliegergenerals Udet. Mit kalauernder (»Das walte Himmler«), kaltschnäuziger Schnoddrigkeit schwadroniert er unbekümmert vor seinen entsetzten, heimlich entzückten oder rachsüchtig intrigierenden und spitzelnden Zuhörern über die »miesen Typen« des Regimes, dem er doch seine militärische Karriere verdankt. Aus Sentimentalität, um der »alten Mutter« den Spaß an seinen Orden und Heldentaten nicht zu verderben, und aus Begeisterung für das Fliegen hat er sich dem »Teufel« Hitler verschrieben - ohne Skrupel über die sich daraus ergebenden politischen und moralischen Konsequenzen: »Sie haben mich gebraucht - und sie brauchen mich jetzt erst recht. Außerdem - ist es mir wurscht.« Ganz so »wurscht« scheint es ihm indes doch nicht zu sein: Er weigert sich, in »die Partei« einzutreten, und hilft seiner Freundin Olivia und deren in zarter Liebe zu ihm entflammten Nichte Diddo zuliebe einem jüdischen Chefarzt (!) über die Grenze. Wegen seiner militärischen Erfolge genießt er weitgehend Narrenfreiheit, bis ihm die unerklärliche Kette der durch Materialschäden verursachten Abstürze seiner Kampfmaschinen zum Verhängnis wird. Von der Gestapo ultimativ zur Aufklärung dieser »Unfälle« gezwungen, entdeckt er schließlich in seinem besten Freund, dem verantwortlichen Chefingenieur Oderbruch, den Haupttäter. Oderbruch, ein idealistischer Widerstandskämpfer, der auch in der überarbeiteten Schlußfassung von 1966 nicht zu einer klar umrissenen Gestalt wurde, sucht Harras von der Notwendigkeit der Sabotageakte zu überzeugen und zur Mitarbeit in seiner Organisation zu bewegen. Doch für den ist es zu spät: »Wer auf Erden des Teufels General wurde und ihm die Bahn gebombt hat - der muß ihm auch Quartier in der Hölle machen«, verabschiedet sich Harras, besteigt eine der defekten Maschinen und stürzt kurz nach dem Start in den Heldentod.

Auszug aus "Des Teufels General" http://staff-www.uni-marburg.de/~naeser/harras.htm

und  http://www.paedagogik.uni-bielefeld.de/agn/pkraft/vorl/text6_3.htm

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